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Midlife Crisis – Was steckt hinter der Krise in der Lebensmitte?

Die Midlife-Crisis ist ein häufiges Thema in Filmen, Serien und Zeitschriften und wird oft als Erklärungsmodell für Lebenskrisen im mittleren Lebensalter herangezogen. Ob dahinter mehr steckt als ein oft wiederholtes und nicht selten belächeltes Klischee, berichten wir dir in diesem Artikel.

Midlife Crisis – Wie kommt es zu der Krise in der Lebensmitte?

Wenn wir jung sind, stellen wir uns oft vor, wie unser Leben später einmal aussehen wird. Vielleicht haben wir unseren Traumjob gefunden, sind um die Welt gereist oder haben eine Familie gegründet. Wir stellen uns vor, dass wir irgendwann „angekommen” sind. Doch was passiert nach dem Ankommen, wenn wir uns seit Jahren in dem gleichen Job befinden, weit gereist sind und dennoch nicht wissen, was wir eigentlich wollen? Diese Frage stellen sich viele Menschen erst, wenn es soweit ist. Und dann ist es oft zu spät. 

Das Bewusstwerden von verpassten Chancen und unerfüllten Träumen aus der Vergangenheit sowie die Erkenntnis darüber, dass die erste Hälfte unseres Lebens bereits vorüber ist, können dazu führen, dass wir uns und unser Leben grundlegend infrage stellen. Haben wir alles richtig gemacht? Sind wir zufrieden mit der aktuellen Situation? Was wollen wir für die Zukunft? Solche oder so ähnliche Fragen sind gerade am Anfang einer Midlife Crisis typisch.

Das mittlere Erwachsenenalter – eine Zeit voller Probleme? 

Studien konnten zeigen, dass sich unsere Zufriedenheit im Laufe des Lebens verändert.

Den Tiefpunkt unserer Zufriedenheit und die höchsten Depressionswerte erleben die meisten von uns in der Mitte unseres Lebens.

Doch warum ist das so? Das mittlere Lebensalter ist eine Phase, in der wir eine Menge Verantwortung tragen. Anders als in unserer Jugend, in der die eigenen Bedürfnisse und Wünsche im Vordergrund stehen, tragen viele Menschen in dieser Phase Verantwortung für zum Beispiel die eigenen Kinder, die älter gewordenen Eltern und die Aufgaben im Job. Dieses hohe Maß an Verantwortung stellt sich oft über einen längeren Zeitraum ein und wird vielen erst später bewusst. 

Neben all der Verantwortung nehmen wir zunehmend wahr, wie sich unser Körper mit dem Alter verändert. Wir erkennen, dass wir nicht mehr zu den Jungen gehören und dass unser eigenes Leben nicht unendlich ist. Das kann zu unangenehmen Gefühlen führen und bei einigen Menschen den Wunsch auslösen, aus dem bisherigen Alltag auszubrechen und ein neues Leben zu beginnen

Gibt es die Midlife Crisis wirklich? 

Die Wissenschaft ist sich bis heute uneinig darüber, ob die Midlife Crisis ein Phänomen ist, dass die meisten Menschen im mittleren Lebensalter im gleichen Maße betrifft. Auch ist nicht klar, ob sich die Krise im mittleren Lebensalter von Krisen in anderen Umbruchphasen unterscheidet. In den letzten Jahren findet sich zum Beispiel immer mehr Forschung zu der sogenannten Quarterlife Crisis, einer Krise in der Mitte der 20er Lebensjahre. Was jedoch klar ist, ist, dass viele Menschen in der Mitte ihres Lebens von stärkerer Unzufriedenheit berichten. Das kann viele Gründe haben. Einige davon haben wir bereits genannt. 

So unterschiedlich wie die Gründe für eine Krise in der Mitte des Lebens sein können, so verschieden gestaltet sich auch die Midlife Crisis selbst. Während einige Menschen vor allem über die Dinge nachdenken, die in der Vergangenheit schlecht gelaufen sind, führt für andere vor allem die nicht vorhandene Zukunftsperspektive zu Ängsten und Sorgen. Auch die Länge und Intensität der Krise unterscheiden sich von Person zu Person. 

Midlife Crisis bei Männern und Frauen

Wenn es um die Midlife Crisis geht, werden wir oft mit dem Klischee eines mittelalten Mannes konfrontiert, der ganz plötzlich aus seiner Ehe ausbricht und eine deutlich jüngere Frau in seinem neuen Sportwagen durch die Gegend fährt. Doch nicht nur Männer berichten in der Mitte ihres Lebens von einem Tiefpunkt in der eigenen Zufriedenheit. Trotz einiger entscheidender Unterschiede, wie z.B. Unterschiede in der Veränderung des Hormonhaushaltes (langsames Absinken des Testosteronspiegels bei Männern, plötzlicher Einbruch im Östrogenspiegel bei Frauen), lässt sich dieser Trend auch bei Frauen beobachten.

Entscheidend für das Entstehen einer Midlife Crisis ist vor allem, wie der Einzelne oder die Einzelne die Anforderungen des mittleren Erwachsenenalters meistert. Tauscht sich die betroffene Person über die eigenen Selbstzweifel aus oder ist sie mit ihren unangenehmen Gefühlen überwiegend allein? Schafft sie es, ihr bisheriges Leben so zu akzeptieren, wie es war und blickt zuversichtlich in die Zukunft? Oder sieht sie lediglich das, was schief gelaufen ist und nicht mehr werden kann? Wir haben ein paar hilfreiche Tipps für dich, wenn du selbst in der Krise steckst. 

Was du tun kannst, wenn du in der (Midlife) Krise steckst

Wenn wir uns in einer Krise befinden, haben wir oft das Gefühl, dass sich unsere Situation auch in Zukunft nicht bessern wird. Wir sehen keinen Ausweg und wissen nicht, wie wir unsere Traurigkeit überwinden oder innere Wut loswerden können. Haben wir die Krise einmal gemeistert, merken wir häufig, dass wir an den Schwierigkeiten gewachsen sind und etwas dazu gelernt haben. Das erklärt auch das folgende Ergebnis einer Studie:

Die meisten Menschen im höheren Erwachsenenalter antworteten auf die Frage, welches Alter sie noch einmal erleben wollen würden, mit dem mittleren Lebensalter.

Rückblickend ist also alles weniger schlimm, als es in der Krise erscheint. Und dennoch gilt es zunächst die Krise zu meistern! Was du tun kannst, wenn du dich in einer Midlife Crisis befindest, haben wir dir in 3 hilfreichen Tipps zusammengefasst.

1Was dein Leben bunt macht

Manchmal können wir uns so sehr darin verlieren, was schlecht läuft in unserem Leben, dass wir die Dinge vergessen, für die wir dankbar sind. Gerade in der Midlife Crisis, in der scheinbare verpasste Möglichkeiten und nicht mehr zu erfüllende Träume in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken, lohnt es sich ganz bewusst Dankbarkeit für das Gute in unserem Leben zu empfinden. Wenn es dir schwerfällt, Dinge auszumachen, für die du dankbar bist, dann lohnt sich ein kleines Gedankenexperiment:

Übung

Dein Leben als Bilderbuch

Nimm dir ein wenig Zeit und stell dir vor, du solltest ein Bilderbuch über dein Leben malen: Welche Seiten in diesem Bilderbuch wären besonders bunt? Vielleicht die Seite, die für die Geburt deiner Kinder steht? Oder die Seite, auf der du deine bisher schönste Reise unternommen hast? Versuche, Dankbarkeit für die schönsten und farbenfrohsten Seiten deines Bilderbuchs zu empfinden. 

Dann lenke deine Aufmerksamkeit auf die Seiten, die noch leer sind. Wie könntest du diese Seiten bemalen? Was würde sie besonders bunt werden lassen? Versuche Dankbarkeit dafür zu empfinden, dass du die Möglichkeit hast, diese Seiten ganz frei und nach deinen Vorstellungen zu gestalten. Wenn dir keine oder nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten einfallen, dann ist das völlig okay. Du kannst die Idee des Bilderbuchs einfach im Hinterkopf behalten und darauf zurückkommen, sobald dir neue Gestaltungsmöglichkeiten für die noch leeren Seiten einfallen. Vielleicht hilft dir auch ein Dankbarkeitstagebuch, in dem du deine Ideen festhalten kannst. 

2Zulassen und Annehmen

Dankbar für all das Gute in deinem Leben zu sein, heißt nicht, dass du das, was nicht gut war, vergessen oder überspielen sollst. Auch ein Blick auf die nicht so guten Dinge in deinem Leben kann auf dem Weg aus der Midlife Crisis sehr wichtig sein. Vielleicht fühlst du dich hilflos angesichts der Stärke, mit der dich die Welle deiner negativen Gedanken und Gefühle überrollt. Die gute Nachricht ist: Du hast zwei sehr wertvolle Werkzeuge in deinem Selbstfürsorgekoffer, die dir helfen können, mit diesen negativen Gedanken und Gefühlen umzugehen: Das Zulassen und das Annehmen. 

Analog zu einem Wasserball, der immer wieder an die Wasseroberfläche kommt, wenn man versucht, ihn mit aller Kraft unter Wasser zu drücken, kommen auch unangenehme Gefühle immer wieder, wenn man versucht, sie zu verdrängen. Wenn du den Wasserball jedoch einfach neben der schwimmen lässt, dann schwimmt er mit der Zeit wie selbst davon. Genauso ist das mit deinen Gefühlen.

Wenn du es schaffst, sie zuzulassen, hast du die Chance, sie anzunehmen. Durch das Annehmen werden sie immer weniger wichtig und schwimmen genau wie der Wasserball mit der Zeit davon. 

Das Zulassen und Annehmen schmerzhafter Gedanken und Gefühle ist oft nicht einfach und braucht Zeit. Gib dir diese Zeit. 

3Wünsche regelmäßig ausmisten und neu sortieren

Wenn du dich in Dankbarkeit, Zulassen und Annehmen geübt hast, hast du dir einen positiven Blick in die Zukunft mehr als verdient. Oft glauben wir, dass wir bis zu einem gewissen Punkt in unserem Leben alles erreicht haben müssen, was wir uns wünschen. Aber unsere Wünsche und die dahinter liegenden Werte verändern sich im Laufe des Lebens. Das ist ganz logisch, denn auch wir verändern uns. Im mittleren Lebensalter nehmen viele Menschen wahr, dass sich ihr Körper verändert, sie älter werden und dadurch einige Wünsche und Ziele weiter in die Ferne geraten. 

Wichtig ist zu erkennen, dass du an jedem Punkt in deinem Leben neu die Möglichkeit hast, dir deine Wünsche zu erfüllen. So kannst du der Angst vor Veränderung gelassener begegnen. Dabei kann es sehr hilfreich sein, sich immer wieder aufs Neue zu fragen: Was wünsche ich mir zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben für mich? Wie stelle ich mir mein Leben in Zukunft vor? Auf diese Weise kannst du vergangene Wünsche leichter gehen lassen und Raum für neue schaffen. 

Was tun, wenn die Midlife Crisis zur Depression wird?

Wenn wir keinen Weg aus der Krise finden, können negative Gedanken und Gefühle dauerhaft bleiben und zu einer Depression werden. In einem solchen Fall, kann das Aufsuchen von professioneller Hilfe ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Besserung sein. Einen Psychotherapieplatz zu finden, ist oft nicht leicht. Aber Mühe und Ausdauer lohnen sich, denn oft kann uns eine professionelle Sicht auf unser Problem dabei helfen, neue Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. 

Wenn wir eine Krise wie die Midlife Crisis erst einmal gemeistert haben, erkennen wir oft, was wir gelernt haben. Wir fühlen uns mit jedem Tag etwas stärker und haben Lust unser Leben erneut anzugreifen. Häufig macht sich auch eine gewisse Gelassenheit breit, die aus der Gewissheit entstehen kann, dass wir eine schwierige Phase in unserem Leben erfolgreich gemeistert haben. 

Fazit: Die Lösung tragen wir meistens in uns selbst

Ist die Midlife Crisis nun eine Krise, die alle oder die meisten Menschen im mittleren Lebensalter im gleichen Maße betrifft? Oder handelt es sich dabei um eine Krise , die so oder so ähnlich auch in anderen Phasen unseres Lebens auftreten kann? Das ist bis heute nicht abschließend geklärt. Eins ist jedoch klar – im Leben begegnen uns immer wieder herausfordernde Phasen der Veränderung. Wichtig ist: Finden wir erst einmal unseren Weg aus der Krise heraus, gehen wir in den meisten Fällen gestärkt daraus hervor. Meistens tragen wir alles Nötige für die Lösung bereits in uns selbst, wir vergessen nur manchmal uns selbst zuzuhören.

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Autorin:
Anna Unger-Nübel Psychologin
  • Quellennachweis
    1. Blanchflower, D. G., & Oswald, A. J. (2008). Is well-being U-shaped over the life cycle?. Social science & medicine, 66(8), 1733-1749.
    2. Freund, A. M., & Ritter, J. O. (2009). Midlife crisis: A debate. Gerontology, 55(5), 582-591.
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