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10 Regeln bei Angst

Angst ist ein Gefühl, das die allermeisten Menschen immer mal wieder erleben. In diesem Artikel geht es darum, welche 10 Regeln bei Angst du ausprobieren kannst, um dich diesem unangenehmen Gefühl nicht hilflos ausgeliefert zu fühlen. Lass uns direkt starten!

1Lasse die Angst zu

Puh, gleich die erste Regel bei Angst ist wahrscheinlich die schwierigste. Wenn wir unangenehme Gefühle wie Angst erleben, möchten wir sie am liebsten gleich loswerden. Doch wenn wir denken: „Die Angst muss sofort weggehen!” verspannen wir uns und verhindern dadurch ungewollt, dass unser Organismus sich beruhigt. Damit die Angst weniger wird, braucht es Entspannung und entspannen klappt besser, wenn wir erst mal in etwa Folgendes denken: „Okay, da ist Angst. Dieses Gefühl ist wirklich unangenehm, aber es kann mir nichts anhaben und ich lasse es da sein.”

Anregung

Die Teufelsschlinge

Kennst du Harry Potter? Im ersten Band kommt eine Pflanze, die sogenannte Teufelsschlinge, vor. Diese Pflanzen umschlingt ihre Opfer und je mehr man sich wehrt, desto fester zieht sie ihre Tentakeln. Der Trick ist: Wenn du nicht versuchst, auf Biegen und Brechen der Pflanze zu entkommen, wird ihr Griff lockerer, bis sie dich schließlich loslässt. Natürlich ist Angst keine Pflanze – aber vielleicht kann dich dieses Bild bei einem anderen Umgang mit der Angst unterstützen.

2Erforsche die Angst

Du lässt die Angst also zu, aber was dann? Gerade wenn das Gefühl der Angst selbst Angst macht, lohnt es sich, es einmal zu erforschen. 

  • Wie fühlt sich die Angst an? 
  • Ist das Gefühl beständig oder verändert es sich von Sekunde zu Sekunde? 
  • Wie reagiert dein Körper auf die Angst? 
  • Welche Gedanken tauchen auf? 

Wenn du auf diese forschende und interessierte Weise deiner Angst begegnest, kannst du mit der Zeit mit ihr vertrauter werden. Die Angst wird sich sehr wahrscheinlich trotzdem noch unangenehm anfühlen – das liegt in ihrer Natur, so wie Zitronen nun mal sauer sind – aber du musst dich vor dem Gefühl selbst nicht mehr fürchten. Denn du kennst es gut und weißt, dass von dem Gefühl selbst keine Gefahr ausgeht, wenn du es fühlst.

3Nimm die Angst mit

Wenn du die ersten beiden Regeln bei Angst ausprobierst, wird dir diese Regel bestimmt leichter fallen. In voller Länge lautet sie: Nimm die Angst mit und mach, was du willst. Um die Angst nicht noch zu verstärken und ihr „Macht” über dich zu geben, ist es nämlich ganz wichtig, dass du die Dinge unternimmst, die du möchtest, obwohl du Angst hast. Viele Menschen erleben zum Beispiel Flugangst. Dadurch kann es nur allzu schnell passieren, dass sie Flüge vermeiden. Wenn du das aus Liebe zur Umwelt machst, ist das prima. Aber wenn du deinen Bruder in Australien aus Angst vor dem Fliegen nicht besuchen kannst, ist das ziemlich schade. Daher gilt: Mach, was du willst und nimm die Angst mit. 

💡 Tipp: Du kannst auch einen Gegenstand mitnehmen, der symbolisch für die Angst steht – vielleicht einen besonderen Schlüsselanhänger, einen kleinen Stein, eine Figur oder ein Schmuckstück. 

4Entschlüssele die Botschaft der Angst

Auch, wenn es sich manchmal so anfühlt: Unangenehme Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut sind nicht dazu da, um uns den Tag zu vermiesen. Tatsächlich haben sie eine Funktion. Wut kann zum Beispiel dafür sorgen, dass wir uns durchsetzen und für uns einstehen. Trauer kann uns helfen, uns von etwas oder jemandem zu lösen und Angst – tja, wie ist das bei ihr? 

Im Allgemeinen möchte Angst uns schützen, sie mahnt uns, uns in Sicherheit zu bringen. Angenommen, du hast Angst vor dem Alleinsein und die Angst sorgt dafür, dass du Situationen vermeidest, in denen du alleine bist. Welche Funktion hat das genau? Was würde sich denn ändern, wenn du alleine sein könntest und die Angst dich nicht mehr davor „schützt”? Vielleicht möchte dich die Angst zum Beispiel vor dem Gefühl der Einsamkeit schützen. Wenn du möchtest, kannst du versuchen, auf diese Art und Weise zu entschlüsseln, was die Angst dir mitteilen will.

5Finde heraus: Ist es wirklich deine Angst?

Genauso wie wir uns mit Viren und Bakterien anstecken können, ist es auch mit Gefühlen möglich. Natürlich funktioniert das nicht genauso. Aber bestimmt hast auch du schon die Erfahrung gemacht, dass du gute Laune bekommst, wenn ein anderer Mensch super gut drauf ist. Oder wir werden selbst traurig, wenn jemand weint. Das gibt es auch bei Angst. In den wenigsten Situationen, in denen wir Angst haben, sitzt allerdings jemand panisch neben uns. Es geht dabei eher darum, dass wir die Ängste anderer Menschen „übernehmen”.

Ein Beispiel: Meine Mutter traut sich nicht, auf der Autobahn zu fahren. Sie hat Angst davor und vermeidet es. Daher bin ich unwissend mit der Botschaft aufgewachsen: „Autobahnen sind gefährlich, davor sollte man Angst haben.” Erst mit Anfang 20 habe ich durchschaut, dass das die Ängste meiner Mutter sind – und nicht meine. Seitdem fahre ich gerne auf der Autobahn.

Überlege einmal: Welche Angst könnte von anderen Personen stammen? Falls du solche „übernommenen” Ängste entdeckst, kannst du der Angst zum Beispiel sagen: „Du bist nicht meine Angst, du gehörst eigentlich xyz.” Damit zu Regel Nummer 6.

6Sprich mit der Angst

Klingt etwas verrückt, aber vielleicht hast du ja Lust, mal damit zu experimentieren. Es ist nämlich so, dass wir natürlich dankbar sind für Ängste, wenn sie uns tatsächlich vor etwas Gefährlichem schützen. Oftmals erleben wir jedoch Angst vor Dingen oder Situationen, die eigentlich ungefährlich sind, zum Beispiel einen Vortrag halten. Statt mit dir und der Angst ins Gericht zu gehen und verärgert zu denken, warum du so ein Angsthase bist, kannst du mit der Angst sprechen. In etwa so: „Danke, aber der Vortrag ist nicht gefährlich, du musst mich nicht schützen.” 

Das ist natürlich kein Zauberspruch – wie es ihn übrigens für die Teufelsschlinge bei Harry Potter gibt – aber du signalisierst deiner Angst damit, dass du sie spürst und wertschätzt, aber nicht brauchst. Auf diese Weise ist es möglich, dass wir uns zumindest ein Stück weit mehr entspannen. Auch wenn die Angst wahrscheinlich wieder anklopft und fragt: „Du brauchst mich wirklich nicht?”

7Sprich mit anderen Menschen über die Angst

Leider stempeln wir Ängste häufig als Schwäche ab und trauen uns deshalb nicht, sie anderen Menschen zu zeigen. Es kann jedoch sehr hilfreich sein, es anderen mitzuteilen, wenn wir Angst haben. Dadurch können wir zum Beispiel herausfinden, dass es anderen Menschen ähnlich geht und uns verstanden fühlen. Oder wir erfahren etwas über Strategien, die für andere funktionieren und können voneinander lernen. Es ist auch möglich, dass sich unsere Ängste auflösen, wenn wir mit anderen darüber sprechen. Wenn wir zum Beispiel Ängste in der Partnerschaft erleben und unserem Lieblingsmenschen gestehen, dass wir manchmal unter Verlustangst leiden, kann uns die Reaktion unseres Gegenübers beruhigen.

8Übe dich in Entspannung – wenn du keine Angst hast

Achtung: Vergessen wir nicht die erste Regel bei Angst und das „oberste Gebot”, die Angst zuzulassen. Entspannungsübungen sollten also nicht dazu dienen, panisch unseren Atem zu beobachten oder uns hinzulegen und eine Entspannungsaudio anzuschalten, um die Angst möglichst schnell loszuwerden. Es ist ratsamer, dich in Momenten in Entspannung zu üben, in denen du keine Angst hast. Das kann langfristig sinnvoll sein, um insgesamt entspannter werden zu können und auch, um durch Angst oder Stress entstandene Anspannung immer wieder abzubauen.

9Beschäftige dich mit etwas anderem

Auch hier gilt: Es geht nicht darum, dich auf Teufel komm raus abzulenken, sobald Ängste in dir auftauchen. Der Sinn dieser Regel ist, dass du aus Angstgedanken und auch aus der Angst vor der Angst herausfindest, indem du etwas machst, was dir Spaß macht oder sinnvoll erscheint. Anstatt abends zuhause zu sitzen und in einer Endlosschleife zu denken: „Oh Gott, morgen früh ist dieser Vortrag!” kannst du zum Beispiel zum Sport gehen, dich mit Freunden zum Essen verabreden oder dir einen Kinofilm anschauen. 

10Mehr als eine Regel bei Angst: Suche dir Unterstützung

Es ist möglich, dass Angst uns so stark vereinnahmt, dass wir es gar nicht schaffen, an 10 Regeln bei Angst oder andere Tipps zu denken, geschweige denn diese umzusetzen. Doch das bedeutet nicht, dass du weiterhin unter Ängsten leiden musst. In diesem Fall ist es sinnvoll, dir Unterstützung zu suchen, um dich zum Beispiel mit einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin gemeinsam um das Thema Angst zu kümmern. Vielleicht könnte dich in diesem Zusammenhang unser Artikel Wie finde ich einen Psychotherapieplatz? interessieren.

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
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