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Beziehungspause: Kann das funktionieren?

Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage – meistens ist in Liebesgeschichten dabei nicht von einer Beziehungspause die Rede. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus und vermutlich kennen wir alle Beispiele, in denen eine Beziehungspause funktioniert hat oder gescheitert ist. Aber was bedeutet Beziehungspause eigentlich? Wann ist eine Beziehungspause sinnvoll? Gibt es bestimmte Regeln für eine Beziehungspause, damit sie gelingt?

Der Sinn einer Beziehungspause

Eine Liebesbeziehung sollte etwas sein, das das eigene Leben bereichert, etwas Schönes eben – warum sollte man also vom Partner oder der Partnerin eine Pause brauchen? Was nach einer Enttäuschung klingt und sich verletzend anfühlen kann, hat nichts mit dem Wert zu tun, den zwei Menschen füreinander haben. Im Gegenteil. Wenn es zu einer Beziehungspause kommt, ist vermutlich beiden Beteiligten bewusst geworden, dass sie die Beziehung einerseits nicht aufgeben wollen, es aber andererseits nicht weitergehen kann wie bisher. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass zu viel gestritten oder auch geschwiegen und gemauert wird. Vielleicht hast du sogar das Gefühl, es entwickelt sich in Richtung einer toxischen Beziehung. Beide Seiten sind so verärgert oder gekränkt, dass niemand mehr in die Beziehung investiert. Schachmatt. 

In diesem Fall kann eine Beziehungspause sinnvoll sein. Und zwar um Verhaltensmuster zu durchschauen, zu verändern und sich zu überlegen, ob und wie man die Beziehung weiterführen möchte.

Was sind mögliche Regeln für die Beziehungspause? 

Nicht nur die Dynamik und die gemeinsame Geschichte zweier Menschen ist individuell. Auch die beiden Personen selbst sind ganz unterschiedlich und befinden sich in ständiger Entwicklung. Es ist deshalb nicht möglich, Regeln für die Beziehungspause aufzustellen, nach denen sich jedes Paar richten sollte. Es gibt jedoch 4 Anhaltspunkte, zu denen ihr euch Gedanken machen könnt:

1Prüft euer „Mindset”

Wichtig ist die positive Absicht, die dem Entschluss zur Beziehungspause zugrunde liegt. Der Satz: „Ich möchte eine Pause”, sollte also nicht dazu gebraucht werden, um die andere Person zu verunsichern und indirekt damit zu drohen, die Beziehung beenden zu wollen. Auch wenn man sich selbst nicht sicher ist, ob die Beziehungspause nicht doch in eine Trennung mündet, ist zumindest Offenheit und der grundsätzliche Wunsch, die Beziehung zu retten, wichtig.

2Verändert die Kommunikation

Ob in der Beziehungspause eine vollkommene „Kontaktsperre” herrscht oder ob gelegentlich kommuniziert wird, muss jedes Paar für sich entscheiden. Es kommt auch auf die Lebenssituation an: Gibt es gemeinsame Kinder, ist vollkommene Funkstille natürlich nicht möglich. In jedem Fall solltet ihr darauf achten, dass in Sachen Kommunikation nicht „alles beim Alten” bleibt. Sonst können Verhaltensmuster kaum überdacht werden und sich langfristig ändern. Vielleicht möchtet ihr euch am Motto „weniger ist mehr” orientieren, das in Sachen Kommunikation während der Beziehungspause durchaus erst mal Sinn machen kann.

3Überlegt, ob ihr ein Limit setzen wollt

Einige Paare können es als hilfreich empfinden, eine genaue Zeitspanne für die Beziehungspause festzulegen, um erstens Zeit für sich zu haben und zweitens genau zu wissen, wann sie eine Entscheidung treffen, ob und wie es weitergeht. Allerdings ist es schwierig einzuschätzen, wie viel Zeit die emotionalen Prozesse und gedanklichen Überlegungen brauchen, die notwendig sind, um zum Beispiel Konflikte zu verarbeiten und etwas aus ihnen zu lernen. Empfehlenswert kann es daher sein, einen Zeitpunkt zu vereinbaren, an dem man zumindest wieder ins Gespräch geht, um dann zu sehen, wo man selbst und die andere Person steht.

4Vertraut

Viele Paare scheuen sich vor einer Beziehungspause, weil sie die schwierige Frage aufwirft, ob in dieser Zeit körperliche Intimität mit anderen Menschen „erlaubt” ist oder als Seitensprung gilt. Eine Beziehungspause kann also auch mit dem Thema Eifersucht zu tun haben. Einige Paare entscheiden sich hier für eine klare Vereinbarung, andere möchten es lieber nicht so genau wissen.

Anstatt das Thema Betrug in den Vordergrund zu stellen, kann es jedoch hilfreicher sein, sich mit dem gegenseitigen Vertrauen zu beschäftigen.

Und zwar nicht in direktem Bezug darauf, ob ich selbst oder die andere Person in der Beziehungspause mit jemand anderem intim wird, sondern mit Augenmerk auf die Verbindung, die durch keinen anderen Menschen so einfach ersetzt werden kann. Vielleicht möchtet ihr euch also während der Beziehungspause vornehmen, euch in diesem Vertrauen zu üben, anstatt an der Frage festzuhalten, ob der Partner oder die Partnerin während der Beziehungspause jemand anderen kennenlernen könnte. Möglicherweise ist die Beziehungspause also auch eine Chance, loslassen zu lernen und Verlustangst zu überwinden. Dabei helfen kann zum Beispiel auch, wenn du dich weniger auf die andere Person und mehr auf dich konzentrierst, zum Beispiel durch Selbstfürsorge.

» Liebe ist das Kind der Freiheit, niemals das der Beherrschung. «

Erich Fromm

Wie kann eine Beziehungspause zum Neuanfang werden?

Oft haben wir den Wunsch, der Partner oder die Partnerin möge sich ändern. Wenn die andere Person mir doch bloß mehr Anerkennung, Liebesbotschaften oder Zeit schenken würde. Oder mir mehr Freiheit ließe und mich in meinen Plänen unterstützen würde.

Auch wenn man es natürlich nicht exakt berechnen kann, aber du kannst dir vorstellen, dass eine glückliche Beziehung zu 50% von dir und zu 50% von der anderen Person abhängig ist. Das sind gute Neuigkeiten, denn das bedeutet, dass du einen großen Teil dazu beitragen kannst, die Beziehungsqualität zu verbessern. Dafür ist es ratsam, wieder in die Beziehung zu investieren und um deinen Partner oder deine Partnerin „zu werben”. Mit anderen Worten:

Warte nicht darauf, bis die andere Person sich anders verhält, sondern ändere dein eigenes Verhalten.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass sich die Beziehung dadurch verbessert. Aber oftmals ist es so, dass sich durch das Prinzip der Gegenseitigkeit auch die andere Person dir gegenüber langfristig anders verhält. So könnt ihr nach der Beziehungspause tatsächlich gemeinsam ein neues Leben beginnen, vorausgesetzt, ihr nutzt die Zeit der Beziehungspause, um an euch zu arbeiten. Aber was bedeutet das genau? 

Was kann ich in dieser Zeit tun?

Sich selbst anders zu verhalten, ist jedoch gar nicht so leicht. Das ist ähnlich wie bei gesunder Ernährung: Wir wissen eigentlich, was wir essen oder nicht essen sollten und schnabulieren trotzdem die Tafel Schokolade anstatt den Obstsalat. Auch in der Partnerschaft haben wir solche „ungesunden Gewohnheiten”.

In einer Studie konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass es vor allem defensive, also abwehrende Verhaltensweisen, Sturheit und Rückzüge sind, die einer Beziehung langfristig wirklich schaden können.

Es geht also nicht darum, Streit zu vermeiden, sondern immer wieder aufeinander zuzugehen, sich zu öffnen, zu entschuldigen und das Gute im anderen zu sehen. Wenn dir oder euch das schwerfällt, ist es möglich, dass die gegenseitigen Verletzungen so tief sind, dass auch eine Paartherapie oder Einzeltherapie sinnvoll sein kann. Das kann zum Beispiel auch der Fall sein, wenn es um Themen wie Beziehungsunfähigkeit oder Beziehungsangst geht.

Vor allem ist es wichtig, dass du dir während der Beziehungspause darüber klar wirst, ob du die Beziehung tatsächlich noch weiterführen möchtest. Geht es dir vielleicht mehr um die Angst vor dem Alleinsein oder darum, Liebeskummer zu vermeiden? Falls du dich für deine Partnerin oder deinen Partner entscheidest, sollte das auch eine Entscheidung dafür sein, dich in Selbstreflexion zu üben und deine eigenen Verhaltensmuster langfristig zu verändern. Allein dieser aufrichtige Vorsatz kann viele ungeahnte positive Auswirkungen haben.  

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Autorin:
Victoria Bindrum Psychologin
  • Quellennachweis

    Gottman, J. M., & Krokoff, L. J. (1989). Marital interaction and satisfaction: a longitudinal view. Journal of consulting and clinical psychology, 57(1), 47.

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